Carlos DeLuna

 

Am Abend des 4. Februar 1983 wurde in Corpus Christi, Texas, ein Laden überfallen. Wanda Lopez, die in dem Laden arbeitete, wurde bei dem Raubüberfall erstochen. Knapp eine Stunde später wurde Carlos DeLuna, der zwei Blocks weiter betrunken und mit nacktem Oberkörper unter einem Pickup lag, von der Polizei wegen der Ermordung von Wanda Lopez verhaftet. Carlos DeLuna, der einen niedrigen IQ hatte und in seiner geistigen Entwicklung als beeinträchtigt galt, war der Polizei nicht unbekannt. Er hatte mehrere Vorstrafen, unter anderem wegen Autodiebstahl. Zudem war mehrfach aufgegriffen worden als er an Farbsprühdosen schnüffelte um sich zu berauschen.

Carlos DeLuna beteuerte von Anfang an seine Unschuld und erklärte dass ein “Carlos Hernandez” Wanda Lopez ermordet habe. Die Staatsanwaltschaft erklärte Hernandez sei ein Phantom, klagte DeLuna wegen des Raubmordes an und Carlos DeLuna wurde zum Tode verurteilt. Nach nur etwas mehr als 6 Jahren (normalerweise dauern die einem Todesurteil folgenden Berufungsverfahren mehr als 10 Jahre) wurde Carlos DeLuna am 7. Dezember 1989 hingerichtet und um 00:24 Uhr für tot erklärt (damals wurden in Texas die Hinrichtungen noch um Mitternacht vollstreckt). In seinem letzten Statement sagte er unter anderem:”I hold no grudges” – “Ich hege keinen Groll.” Dabei hätte er wohl allen Grund dazu gehabt…

Eine Untersuchung  der Chicago Tribune im Jahre 2006 ergab dass man einen Unschuldigen hingerichtet hatte:

Fakt war dass Carlos Hernandez kein “Phantom” war, sondern ein Mann der gerne Frauen schlug, eine Vorliebe für Messer hatte und kurz nach der Verhaftung von Carlos DeLuna damit prahlte dass er, Hernandez, Wanda Lopez ermordet habe und dass sein Namensvetter Carlos DeLuna dafür in den Todestrakt gewandert war. Hernandez ging immer wieder im Gefängnis ein und aus für Straftaten, in denen sein Messer eine wesentliche Rolle spielte. Er starb schließlich im Jahre 1999 an Leberzirrhose – im Gefängnis.

Es gab in dem Laden keine Überwachungskamera und somit keine Aufnahmen des Täters. Es gibt keine DNA-Spuren und Carlos DeLuna wurde aufgrund von zwei Zeugenaussagen verhaftet – und zum Tode verurteilt. Doch beide Zeugenaussagen waren zweifelhaft:

Via Chicago Tribune:

“…With no forensic evidence linking De Luna to the crime, prosecutors relied heavily on two eyewitnesses who said they saw him at the station–one before and one after the murder. Arrested less than an hour after the attack, De Luna was handcuffed and placed in a patrol car, then driven to the gas station, where an officer shone a light on his face.

Of those witnesses, only Kevan Baker came eye to eye with the killer after Lopez had been stabbed. Now living near Jonesville, Mich., Baker recalls that night vividly. He had stopped to buy gas and saw Lopez and a man struggling inside the station. When he approached the door to help, the assailant emerged, they locked eyes and the attacker fled. De Luna and Hernandez were about the same height and looked alike in police mug shot profiles. Baker identified De Luna but now says he was uncertain. “I wasn’t all that sure, but him being Hispanic and all . . . I said, `Yeah, I think it is him,’” Baker recalled recently. “The cops told me they found him hiding under a truck. That led me to believe this is probably the guy.”

This form of identification–called a show-up, in which a witness views only one suspect instead of attempting to pick a suspect out of a lineup–can be accurate, but it also can give eyewitnesses a false sense of certainty, according to experts. They say shackling a suspect exacerbates the potential for a mistaken identification. “Law enforcement figures `we got our guy,’ so their whole demeanor, their language, the way they handle the guy suggests to the witness that this is the person,” said Gary Wells, a research psychologist at Iowa State University and a leading expert on eyewitness identification issues. “That’s a lot of pressure to put on a witness.”

The other witness who identified De Luna as he sat in the police car, George Aguirre, declined to be interviewed for this article. At a pretrial hearing, Aguirre was unable to point out De Luna in the courtroom. At trial a month later, though, he did.

Two additional witnesses at the trial, John and Julie Arsuaga, said they caught a glimpse of De Luna’s face as he ran slowly through a parking lot east of the station a few minutes after Lopez was attacked.

De Luna told authorities that when he saw Hernandez struggling with Lopez, he fled from the area because he was on parole and didn’t want to be spotted by police.

Julie Arsuaga could not be reached for comment. In a recent interview, her former husband said he still believes De Luna was the man he saw down the street. But he acknowledged he never saw De Luna at the gas station: “I didn’t see the man commit a crime.”

Die Chicago Tribune führte die Untersuchung durch nachdem ihr von Prof. James Liebman ein Hinweis gegeben worden war. Prof. Liebman hat nun zusammen mit einem Team von Studenten den Fall neu aufgerollt und einen umfangreichen Bericht im “Human Rights Law Review” veröffentlicht.

Via Huffington Post:

“…Among the key findings in the Columbia team’s report:

  • The eyewitness statements actually conflict with each other. What witnesses said about the appearance and location of the suspect suggest that they were describing more than one person.
  • Photos of a bloody footprint and blood spatter on the walls suggest the killer would have had blood on his shoes and pant legs, yet DeLuna’s clothes were clean.
  • Prosecutors and police ignored tips unearthed in the case files that Carlos Hernandez, an older friend of DeLuna, who had a reputation for wielding a blade, had killed Lopez. The defense failed to track down Hernandez, who bore a striking resemblance to DeLuna…”

Umfangreiche Informationen zu dem Report finden sich natürlich bei Steve Hall, unter anderem auch der Hinweis auf zwei Interviews mit Prof. Liebman. Auf Crime & Consequences hat Kent Scheidegger hierzu erstaunlich wenig zu sagen – nur dass er die Arbeit von Prof. Liebman an sich schon anzweifelt und der Hinweis auf einen Zeitungsartikel, in welchem ein Ermittler der Polizei von Corpus Christi natürlich zu dem Schluss kommt dass Carlos DeLuna schuldig war und die Strafe bekam die er verdient habe.

Den Bericht “Los Tocayos Carlos” von Prof. Liebman und seinem Team finden Sie hier. Dort finden Sie u.a. den gesamten Bericht, umfangreiche Dokumente und Interviews.

Bild von Carlos DeLuna via Wrongful Convictions Blog.

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Nach Hause

Einer der (meiner Ansicht nach) besten Filme mit Will Smith ist “I Am Legend”. In einer der tragischsten Szenen wird Lt. Colonel Robert Neville (verkörpert von Will Smith) durch die mit dem Virus Infizierten in eine Falle gelockt – er kann entkommen, aber die Infizierten hetzen drei ebenfalls infizierte Hunde auf Neville und seine Schäferhündin Sam (welche faktisch seine einzige Gefährtin und “Gesprächspartnerin” ist). Neville kann die infizierten Hunde töten, aber Sam wurde im Kampf mit den infizierten Hunden gebissen und damit ebenfalls infiziert.

Neville, fassungslos und schockiert, hebt die verletzte Hündin hoch und sagt:

“…Wir müssen dich nur nach Hause bringen. Ich werde dich nach Hause bringen. Ich bring’ dich nach Hause..”

Nach Hause – der Ort wo man geborgen ist, wo Wunden geheilt und Schmerzen gelindert werden können. Wo man sein kann und sein darf wie man eben ist.

Zuhause angekommen injiziert Neville Sam ein Testserum gegen den Virus. Es wirkt nicht – Sam beginnt sich zu verändern und wird aggressiv, will ihn beißen. Er muss Sam töten…

Ortswechsel

Ariadne schreibt am 12. Mai:

“…Der Wunsch, alles zurückzunehmen, alles rückgängig zu machen, damit ich wieder nach Hause darf. Nach Hause. Obwohl ich seit fast acht Jahren nicht mehr dort war, mit niemandem aus meiner Familie mehr gesprochen habe. Obwohl ich heute 26 bin, zu erwachsen, um noch Heimweh zu haben. Obwohl doch jetzt hier mein zu Hause ist, so lange schon. Hier, wo S. ist, wo meine Tiere sind, meine Bücher, alles, was zu mir gehört. Obwohl meine Familie doch nie eine richtige Familie war. Trotzdem. Mir fehlt alles so. Auch das, was es nicht gab und was nicht mehr nachzuholen ist…”

Ich schrieb dazu in einem Kommentar:

“…Ich glaube wir sehnen uns nicht nach jenem “nach Hause” – aber nach dem “nach Hause” das es hätte sein können, wenn…

Glaube mir – die Sehnsucht & die Narben bleiben und wir müssen damit leben. Und ohne diese Sehnsucht & diese Narben wären wir nicht die Menschen die wir jetzt sind. Wir müssen damit leben. Haben wir eine andere Wahl? Ich glaube nicht. Denn das ist es doch was wir wollen – leben. Mit dieser Sehnsucht und der Hoffnung zumindest einen Teil von “nach Hause” wieder zu finden. Mit dieser Hoffnung & gegen allen Schmerz…”

Diese Sehnsucht kenne ich nur zu gut – und obwohl ich 21 Jahre älter bin als Ariadne lebt diese Sehnsucht noch immer in mir. Die Sehnsucht nach jenem “nach Hause” das auch ich nicht hatte. Gut bürgerliche Fassade nach außen, innen alles morsch, die einzigen Freunde die ich hatte waren Tiere (tiefenpsychologisch vielleicht ein Grund dafür dass ich vegan lebe)…Ich könnte mehr schreiben über jenes “nach Hause” welches keines war, allein die Bewohner meiner Erinnerung sind unruhig und wollen nicht an das Tageslicht gezerrt werden – zumindest nicht zum jetzigen Zeitpunkt.

Und doch habe auch sie, diese Sehnsucht. Nach jenem “nach Hause” das es hätte sein können. Wo Geborgenheit hätte herrschen können und seelische Schmerzen nicht hätten gelindert werden müssen, weil sie erst gar nicht zugefügt worden wären.

Nun, ich habe es im Kommentar schon geschrieben, und ich kann es hier nur wiederholen: Wir müssen leben, mit dieser Sehnsucht und mit der Hoffnung. Mit dieser Hoffnung & gegen allen Schmerz…

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The Biodiversity Project

Und hier etwas tief trauriges bezüglich dessen was “l’avenir” für den Planeten Erde bereithält (oder vielleicht ist es auch nicht l’avenir, denn diese Zukunft ist absolut vorhersehbar…).

Via Joel Sartore:

“For many of Earth’s creatures, time is running out. Half of the world’s plant and animal species will soon be threatened with extinction. The goal of the Biodiversity Project is simple: to show what’s at stake, and to get people to care, while there’s still time to save them.  More than 1,800 species have been photographed to date, with more to come.”

Mehr Informationen, wunderschöne Bilder und ein traurigen Beigeschmack finden Sie hier.

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l’avenir

Jacques Derrida unterscheidet also zwischen zwei Arten von Zukunft:

  • “Zukunft”: Jene Zukunft die vorhersehbar ist, die an sich schon festgelegt (determiniert) ist.
  • “l’avenir”: Jene Zukunft die nicht vorhersehbar ist. In der etwas geschehen oder jemand auftauchen kann ohne dass wir (ich) es vorhersehen oder auch nur erahnen können. Für Derrida ist dies die wirkliche Zukunft.

Anscheinend nimmt der Tod hier eine Zwischenposition ein – es ist gewiss dass ich sterben werde. Nur wann? Wo? Wie? Gleichzeitig nimmt aber auch jegliche menschliche Existenz hier eine Zwischenposition ein: Menschen werden gezeugt, sie kommen auf die Welt – nur wann? Welches Geschlecht hat der jeweilige Mensch? Wo wird er/sie geboren? Es lassen sich ohne viel Mühe weitere Fragen finden.

l’avenir bietet also ein Universum unendlicher Möglichkeiten – und führt über diesen Umweg direkt zum Absurden:

  • Meursault hätte nicht schießen müssen. Aber weil die Sonne am Strand herunter brennt, ihm der Schweiß in die Augen läuft und dieser in jenen brennt und Meursault wohl aufgrund von Hitze, Schweiß und brennenden Augen die Nerven verliert erschießt er den Araber (und verhilft so The Cure zu einem Song).
  • Kelsey Patterson war Zeit seines Lebens wegen Schizophrenie in Behandlung. Nachdem er am Nachmittag des 25. September 1992 Louis Oates und Dorothy Harris erschossen hatte (in den Jahren zuvor hatte er bereits zweimal Menschen durch Schüsse verletzt, es kam aber nie zu einer Verhandlung weil man ihn für nicht zurechnungsfähig erklärt hatte) zog er sich aus und lief nackt auf der Straße hin und her. Gouverneur Rick Perry begnadigte ihn lehnte eine Begnadigung ab obgleich der Begnadigungsausschuss sich einstimmig (!) für eine Begnadigung ausgesprochen hatte und Kelsey Patterson wurde am 18. Mai 2004 um 18:20 Uhr Ortszeit für tot erklärt.
  • Viele Tiere existieren länger auf diesem Planeten als wir Menschen und leben in Freiheit und als gleichberechtige Spezies – und müssen dennoch im Zirkus dumme “Kunststücke” zur “Erheiterung” von Menschen vorführen.

Tatsächlich lassen sich unendlich viele weitere Beispiele finden – nicht zuletzt auch in der je eigenen Biographie. l’avenir ist also die Büchse des Absurden die Büchse der Pandora – und gleichzeitig auch nicht, denn es wäre wiederum absurd zu behaupten dass l’avenir nur das Absurde bereithält. Wie Sherry hier zeigt hält l’avenir viel Schönes bereit (obgleich ich natürlich ihren Schlussfolgerungen bezüglich des Kindchenschemas des abgebildeten Exemplars von Sciurus vulgaris nicht zustimmen kann).

Wie dem auch immer sein mag – l’avenir ist sowohl Verheißung als auch Fluch; und das Schlimme daran ist dass es nur der Zufall entscheidet was l’avenir für jeden einzelnen von uns in letzter Konsequenz ist.

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Derrida

In diesem Semester muss ich – neben Wiederholen der verpatzten Klausur – eine Hausarbeit schreiben, welche sich mit Jacques Derrida beschäftigt. Als ich nun anfing zu recherchieren stieß ich auf folgende auf YouTube hochgeladene Dokumentation:

 

Zu Anfang der Dokumentation sagt Jacques Derrida folgendes:

“In general, I try to distinguish between what one calls the future and “l’avenir.” The future is that which – tomorrow, later, next century – will be. There’s a future which is predictable, programmed, scheduled, foreseeable. But there is a future, l’avenir (to come) which refers to someone who comes whose arrival is totally unexpected. For me, that is the real future. That which is totally unpredictable. The Other who comes without my being able to anticipate their arrival. So if there is a real future beyond this other known future, it’s l’avenir in that it’s the coming of the Other when I am completely unable to foresee their arrival.”

Als ich dies vor ein paar Tagen zum ersten Male hörte (bzw. las) war ich völlig fasziniert und heute noch bekomme ich Gänsehaut wenn ich darüber nachdenke.

So etwas habe ich noch nie gehört. Und ich frage mich welche Bedeutung dies für uns haben könnte.

Das Transkript zum Film finden Sie hier.

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Europa, die USA, die Todesstrafe & LWOP

Carole McCartney verweist auf Protocol 13 of the European Convention of Human Rights and Fundamental Freedoms, mit welchem heute vor 10 Jahren in den Ländern der EU faktisch die Todesstrafe abgeschafft bzw. deren (mögliche) Wiedereinführung in den Mitgliedsstaaten verhindert wurde. Carole fragt sich am Schluss:

“A good day for justice in Europe. One day, a good day for the world…?”

Diese Frage führt uns in die USA, wo im November die Bürger von Kalifornien darüber entscheiden können ob die Todesstrafe in diesem Bundesstaat abgeschafft und durch LWOP (Life Sentence Without Parole/Lebenslänglich ohne Begnadigungsmöglichkeit) ersetzt werden soll. Traditionell ist in den USA in Umfragen die Zustimmung zur Todesstrafe hoch; wird aber in Umfragen als Alternative zur Todesstrafe LWOP angeboten sinkt die Zustimmung – wenn auch die Zustimmung zur Todesstrafe höher bleibt als zu LWOP. Aber immerhin…

LWOP bedeutet, dass der Gefangene bis zum “natürlichen” Lebensende im Gefängnis bleibt, je nach Fall in Einzelhaft und den einzigen menschlichen Kontakt stellt das Gefängnispersonal dar. Aus der Sicht der Menschenrechte ist LWOP ziemlich umstritten (was auch Deutschland hinsichtlich der sog. “Sicherungsverwahrung” zu spüren bekommen hat). Folgerichtig verfasste David R. Dow, Autor des hervorragenden Buches “The Autobiography of an Execution” (hier eine Kritik zu dem Buch von Jeff) kürzlich einen Artikel zu verfassen, in dem er gleich zu Beginn auf Kalifornien eingeht:

“If California dumps the death penalty this November, abolitionists will probably dance in the streets. But they shouldn’t, because the state would be abandoning one terrible idea only to replace it with another…”

Und er führt weiter aus:

“Nevertheless, death-penalty opponents should not be too quick to celebrate. Life without parole is as dehumanizing as death itself, and in some ways it is even worse.

On the plus side, LWOP saves lives, but that’s about it. In every other way it’s a nightmare: It gives up on everyone, regardless of whether they exhibit any capacity for growth and change; it robs people of hope; it exaggerates the risk to society of releasing convicted murderers; and it turns prisons into geriatric wards, with inmates rolling around in taxpayer-funded wheelchairs carrying oxygen canisters in their laps.

To the extent there is a coherent rationale underlying LWOP, it rests on two mistaken premises. First, many people think we need to lock up murderers forever to keep society safe. But it is a myth that murderers kill over and over again, and we have the data to prove it.

In 1972, when the Supreme Court struck down capital punishment nationwide, 589 people were on death row. Of those, 322 were ultimately released, and 111 of them eventually returned to prison. How many of those 111 do you think went back for murder?

Three…”

“…Most people who have killed, however, are neither so infamous nor so depraved. They are people who did something horrible. Maybe some of them did something so appalling we can never again abide allowing them to live in our midst. But some of them truly repent and change. Some actually receive forgiveness from their victims’ survivors. I had a client years ago who met the mother of the young man he killed, and she pleaded with the parole board to spare his life. (They rebuffed her.)

Also, of course, prisoners who are eligible for parole are not guaranteed release. That decision is made by parole board members, who take into consideration what the inmate did as well as who he has become. Certainly they make mistakes, but is that a reason for a blanket rule that everyone who murders should be prevented from even making a case for their release? For every Willie Horton, there are hundreds, probably thousands, of paroled inmates who spend the rest of their lives respecting the law.

Most prisoners sentenced to life will never get out of prison anyway, because wary parole boards will be scared to release them (see, for example, Mr. Manson). But LWOP’s core defect is that is prevents even reformed murderers from asking. A society that embraces LWOP is a society that has thrown in the towel way too early.”

Jeff Gamso schreibt hierzu:

  • Death on the installment plan.
  • Slow death.
  • Death penalty light.
  • Death in prison.

That’s the alternative sentence.  You know, life without the possibility of parole.  LWOP (pronounced EL-wahp).

It is, as I’ve said repeatedly (here and here, for instance), a horrible sentence. Not so much because it is, in fact though not name, a death sentence (the word life in the name is really something between euphemism and oxymoron).  But because it’s a sentence of hopelessness, of rejection.

We don’t care.
We can’t be bothered.
Just rot.

And yet.

When Connecticut abolished the death penalty (see here and here, signed by the Governor Wednesday), it didn’t just replace it with LWOP, it replaced it with enhanced LWOP.

  • Solitary confinement.

  • Release from cell no more than two hours a day.
  • Cell searches every two days.
  • No contact visits.
  • Movement to a new cell every 90 days.
  • Forever.
  • Until death.

They’d probably have added a requirement of eternal damnation if they could have figured out how to enforce it…

…And see, that’s the thing.

I’ve said repeatedly that clemency isn’t about them, it’s about us.  (No links, look it up for yourself. I’ve linked to myself enough in this post.)  So is this. About us.

Who are we?  And who do we want to be?

If it’s about vengeance, if we’re about vengeance, if all we want is to inflict suffering, then sure.

Back to gnawing to death by rats in Yankee Stadium.  (OK, one more link to earlier posts – here, for instance.)

But maybe we’re better than that.  Or at least, maybe we should try to be…”

Wie aber soll man Menschen bestrafen, die schreckliche Dinge getan haben – wie beispielsweise einen Anders Breivik bestrafen? Mitten in das Zentrum dieses ethischen Dilemmas führt uns ein absolut lesenswerter Artikel von Doug Berman in welchem er aus einem Artikel der Washington Post zitiert:

“…Anti-death-penalty sentiment is hardly limited to Europe.  Last week Connecticut Gov. Dan Malloy signed a bill abolishing capital punishment, which means that no future Anders Breivik need fear execution in that state.  Sixteen other states have no death penalty; California voters will get a chance to join them in a November referendum.

In the United States, abolitionist arguments are gaining traction, especially claims about the high cost of lengthy death-penalty litigation and the risk of executing people by mistake. Malloy also cited a “moral component” to his decision.  Such practical and moral concerns are at their most understandable in run-of-the-mill convenience-store murder cases, where the risk of error seems relatively high compared with the benefits of punishing murder with death.

But Breivik’s was no ordinary crime.  It presents the special case of a cold-blooded massacre of children by a political terrorist whose guilt is unquestionable and who remains utterly unrepentant; indeed, he told the court that he would kill again if given the opportunity.

What is morally worse: putting the author of this bloodbath to death or letting him live, with the accompanying risk — however small — that he might broadcast his message to receptive audiences from jail, or escape, or one day litigate his way to freedom?…

The stubborn fact is that death-penalty abolitionism runs counter to one of humanity’s oldest and most persistent moral intuitions: that there should be condign retribution for the most monstrous transgressions…” (Zitat aus dem WaPo Artikel bei Berman. J.K.)

Ja, wie einen Breivik bestrafen? Aber ist die Tat Breiviks monströser als die Vergewaltigung und Ermordung eines Kindes? Oder die Ermordung eines alten Mannes wegen 5€?

Es ist ein ethisches Dilemma, eine absurde Situation, in welcher es nur VerliererInnen gibt:

  • Die Menschen die ermordet wurden
  • Ihre Angehörigen & Freunde mit all ihrem Leid
  • Derjenige, der sein Leben verpfuscht hat und dafür entweder hingerichtet oder nie mehr die Freiheit genießen wird.
  • Seine Angehörigen & Freunde die nun die Blicke der Anderen aushalten müssen
  • Die Gesellschaft, die entscheiden muss wie human sie sein will oder eben nicht
  • Philosophie & Ethik die die letztendliche Antwort nicht haben
  • Wir die wir die Antwort suchen

Persönliche Anmerkung: Ich habe auch für mich persönlich keine endgültige Antwort.

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